Amerikanisch-koreanisches Saunaerlebnis

Auch hier war der Winter lang und kalt. Was gibt es also schöneres, als endlich mal wieder schön in der Sauna entspannen. Dass man hier dazu den Bikini anlässt, damit habe ich mich ja mittlerweile abgefunden. Was mich allerdings in der koreanischen Sauna in Queens erwartete, darauf war ich nicht gefasst. Okay, vielleicht war es nicht gerade geschickt, ausgerechnet an einem Feiertag in die Sauna zu gehen, aber trotzdem…

„Ich bin gleich da!“, lautete die SMS an meine Leidensgenossin, als ich von der Autobahnabfahrt fuhr. Tjaha, weit gefehlt…die Sauna ist zwar quasi um die Ecke der Abfahrt, aber man kann ja schlecht in zweiter Spur parken, wenn man mit dem Auto auch wieder nach Hause fahren möchte. Also erstmal frei nach Grönemeyer…ihr wisst schon…“Ich drehe schon seit Stunden…ich finde keinen Parkplatz…“ Bei gefühlten -10 Grad Celsius ging es dann erstmal 5 Blocks durch die Kälte. Zum Glück war die wärmende Sauna ja nun bald ganz nah! Juchhu! Ups…was ist das, die wollen doch wohl nicht alle in die Sauna??? Ca 30 Personen standen noch vor uns in der Kasse…Einlass-Stop …Kapazität ausgeschöpft. Nun müssen erstmal wieder ein paar Leute rauskommen.

Nach etwa weiteren 30 Minuten und 50 $ ärmer, haben wir es endlich geschafft. Am Eingang der Umkleide dann noch schnell die verpflichtende Saunauniform in Empfang genommen…schicke pinke Bermudashorts mit grauen Baumwoll T-shirts. Naja, spart man sich den Bademantel…dachten wir! Nun noch Schuhe aus, Badeschlappen an…Pfiff! Moment, die meint uns! „Was haben wir denn falsch gemacht?“ „Aus hygienischen Gründen ist das tragen von Badelatschen nicht gestattet. Bitte ziehen Sie die Latschen aus und gehen barfuß!“ Noch mal kurz bei meiner Leidensgenossin versichert, dass ich richtig gehört habe. Tatsächlich, aus hygienischen Gründen keine Badelatschen. Igitt! Also schön den Fußpilz einsammeln.

Na, aber jetzt endlich. Raus aus der Umkleide, Treppe hoch…mmh, riecht aber lecker hier! Moment mal, sind wir richtig abgebogen? Wir sind hier in einem koreanischen Selbstbedienungsrestaurant gelandet. Ach nee, die sitzen alle in dieser komischen Uniform hier. Wird schon richtig sein. Also weiter, um die essenden Mitmenschen herum (in diesem Augenblick war ich zum ersten Mal froh um die Uniform). Ah, dort sieht es nach Saunabereich aus. Aber wo sind die Duschen? Keine Ahnung. Die Menschen gehen alle mit Uniform rein. Wird wohl einen Vorraum geben, wo man die Uniformen aufhängen kann und vielleicht auch duschen kann. Also, Tür auf…huch! Mittendrin in der Sauna. Außen entlang jeweils eine Bankreihe, die Mitte ist gefüllt mit Bastteppichen, die Leute sitzen und liegen wie sie wollen…IN BAUMWOLLUNIFORM!!! Ich glaub, ich will hier wieder raus! Nein, jetzt sind wir endlich da, also hinsetzen, entspannen. Hinsetzen klappt, entspannen nicht so, also Leute beobachten. So richtig warm ist es nicht, also bin ich doch ein wenig froh, die Uniform anzuhaben. Eine Mutti kommt mit zwei kleinen Kindern rein und beginnt mit ihrem Yogaprogramm, die Kleinen natürlich auch gleich. Ein Blick nach rechts, nein, das gibt’s nicht! Die haben nicht ernsthaft ihren Teller mit reingenommen und picknicken in der Sauna! Von links klingelt’s. „Hello!“ Aaaahhhh, jetzt auch noch n Handygespräch! Ich will wieder raus! Mittlerweile zeichnen sich leichte Schweißränder auf den grauen Baumwollshirts ab. Schnell unter die Dusche! Ach nee, die gab’s hier ja nicht. Setzt man sich ja lieber gleich so ins Restaurant.

Wir machen uns dann doch mal lieber auf die Suche nach Wasser. Zwei Stockwerke höher werden wir fündig. Eine Bar, davor ein völlig versiffter, nasser Teppich (Ich erinnere daran…aus hygienischen Gründen ist das Tragen von Badelatschen nicht gestattet!), daneben ein Swimmingpool, darin Tische! Damit man auch im Wasser noch seine Pommes essen kann. Uns reicht’s!

Mit Pommes wollen wir nicht um die Wette schwimmen, also wieder nach ganz unten in die Umkleide. Dort darf man sich im Damenbereich dann sogar mal der Uniform entledigen. Juchhu, endlich in die Sauna wie Gott uns schuf. Noch kurz eines der kleinen Handtücher mitgenommen, die überall ausliegen, um sich draufzusetzten. An liegen ist eh nicht zu denken. „Rutsch doch mal ein Stück rüber, du hast doch jetzt Platz neben dir!“, sage ich, als neben meiner Leidensgenossin jemand aufsteht. „Nee, die hat da mit ihrem blanken Hintern gesessen. Da will ich nicht sitzen!“

Und schon wieder eher Herpes als Entspannung.  Naja, vielleicht im Whirlpool. Ah, schön warm. Aber was ist das? Vor meiner Nase sitzt ein besonders hübsches Exemplar Amerikanerin der Kategorie Länge gleich Breite und lässt sich von ihrem Harem übriggebliebener Altachtundsechziger die Füße massieren. Auch das will ich nicht sehen!

Also, duschen, anziehen, raus! Nicht wirklich entspannt, aber mit dem Wissen, dass der nächste Saunabesuch warten muss, bis ich wieder in Deutschland bin! Leider war das Fotografieren verboten, so dass ich euch kein Beweisfoto von mir in Cindy aus Marzahn-Gedächtnisanzug liefern kann.