Alaska

Bevor es jedoch zurück in die neue alte Heimat ging, stand noch ein absolutes Highlight an: 2 Wochen Alaska mit Trek America!

Los ging es in Anchorage, nicht gerade ein Augenschmaus, aber das Tor nach Alaska.

Glücklicherweise war Anchorage nur der Treffpunkt für die Gruppe und nachdem die Formalitäten geklärt waren, ging es sofort Richtung Norden zum Denali Nationalpark. Nachdem wir die Zelte aufgeschlagen hatten, war noch Zeit, sich die Schlittenhunde anzuschauen, die im Park im Winter als Patrouille eingesetzt werden, da dies die schnellste und sicherste Art ist, sich im Winter in der Wildnis des Parks fortzubewegen. Denali

Am nächsten Tag ging es dann mit dem Touribus in den Park hinein. Die Busse sind die einzige Möglichkeit, sich im Park fortzubewegen (von den eigenen Füßen mal abgesehen), um möglichst wenig Einfluss auf die Natur auszüben. Man kann jederzeit aus- und einsteigen, um im Park wandern zu gehen. Außerdem werden regelmäßig Fotostopps eingelegt. Wir hatten Glück und haben sogar einen Großteil des Mt. McKinley gesehen, Amerikas größtem Berg, der sich meistens in den Wolken versteckt. Außerdem lief uns ziemlich am Anfang erstmal ein Elch über die Straße. Grizzlies gab es in einiger Entfernung auch zu sehen, ebenso wie den Willow Ptarmigan, zu deutsch das Moorschneehuhn, den Staatsvogel Alaskas, inkl. Küken.

Die Weite der Landschaft ist einfach unbeschreiblich. Die Straße lag in einem Tal und wurde von der Alaska Range eingerahmt. Wohin man auch schaute, nur unberührte Natur.Denali

Der nächste Tag begann mit einem Elch beim Grasen im See. Nach ausreichender Beobachtung haben wir uns dann nochmal ein Stückchen in den Park hineinbegeben und sind am Savage River entlang gewandert. Nach der ganzen Sitzerei der ersten Tage eine wahre Wohltat. Die Ausblicke und ein Braunbär in sicherer Entfernung am Wegesrand haben uns für die Strapazen der Kletterei belohnt.Denali

Nach drei Tagen an einem Fleck (eine Seltenheit bei Trek America!) brachen wir die Zelte ab, um uns noch weiter in die Wildnis hineinzubegeben.

Es ging über den Denali Highway nach Wrangell/St. Elias, genauer gesagt nach Mc Carthy und Kennecoth.

Da der Weg jedoch recht weit ist, übernachteten wir in Gakona auf dem MacLarenRiver Campground bei Allen und Susie, Kanutour und Bibertour mit dem Jetboat inklusive. Beeindruckend war der Damm, den die Biber gebaut haben, mehrere 100 Meter lang, wodurch ein kompletter See parallel zum Fluss entstanden ist.Mac Laren River Mac Laren River

Verwirrend ist die ständige Helligkeit. Es gibt zwar eine Art Sonnenauf- und -untergang, aber diese liegen sowohl zeitlich als auch räumlich sehr nah beieinander, so dass man sowohl die zeitliche als auch die räumliche Orientierung komplett verliert. Zwischen Unter- und Aufgang der Sonne wurde es außerdem nicht richtig dunkel.

Am nächsten Tag kamen wir dann in Wrangell / St.Elias, Amerika’s größtem Nationalpark an. Um uns herum nichts als Natur, die nächste Siedlung war 60 Meilen entfernt.

Kennecoth ist eine alte zerfallene Kupferminenstadt, die um Amerika’s größte Kupfermine erbaut wurde, McCarthy die dazugehörige ‚Sin City’ mit Saloon, Bordell, etc, denn all das war in Kennecoth verboten.

Eine ähnliche Aufteilung gibt es auch heute noch. Kennecoth ist nahezu verlassen (hier sitzen tagsüber die 2-3 Veranstalter der Gletschertouren, sowie ein Hotel), während in McCarthy die den Sommer über ansässigen Tourguides wohnen und wo man sich nach Sonnenuntergang zum Open Mic oder zum Poetry Slam im Saloon trifft.

Unser Campingplatz lag mit gigantischem Ausblick auf den Gletscher fußläufig nach McCarthy.

Leider war die Nacht komplett verregnet und auch am Morgen sah es noch nicht besonders vielversprechend aus. Dennoch ging es früh raus aus den Federn, denn wir sollten den Tag auf dem Gletscher verbringen.

Als wir alle mit Steigeisen und Kletterausrüstung ausgestattet waren und uns auf den Gletscher wagten, klarte es plötzlich auf und wir hatten einen wunderschönen Tag auf dem Eis. Das klettern im Eis macht Spaß und ist verglichen mit dem Klettern im Fels deutlich leichter, da man sich seine Griffe und Tritte nicht suchen muss, sondern einfach selbst in das Eis schlägt.15

Während wir am Anfang zunächst versuchten, den Eisberg zu erobern, ging es in der zweiten Runde runter in die Gletscherspalte, aus der wir uns dann aus eigener Kraft wieder hocharbeiten mussten. Unten in der Gletscherspalte floss ein Fluss und die Geräuschkulisse war immens. Ein wahnsinniges Erlebnis!14 13

Nach 2 Tagen ohne fließend Wasser und Strom ging es dann erstmal für eine Nacht zurück nach Anchorage. Der Ausflug in die ganz große Wildnis war damit beendet, denn von nun an hielten wir uns eher in kleinen Hafenstädten auf. Das sollte aber nicht bedeuten, dass die unvergleichlichen Naturerlebnisse damit auch ein Ende hatten. Ganz im Gegenteil, damit ging es nun auf der Kenai Halbinsel eigentlich erst so Richtig los!

Doch zunächst stand ein anderes Ereignis im Vordergrund: Das Finale der Weltmeisterschaft 2014 – Deutschland gegen Argentinien. Wir beeilten uns, um rechtzeitig zum Anpfiff in Seward zu sein, wo wir in einer kleinen Dorfkneipe das Spiel schauen wollten. Mit uns schauten einige Amerikaner, die eine zeitlang in Deutschland gelebt hatten. Die Stimmung war großartig. Ich glaube, die Bedienung wusste nicht wirklich, wie ihr geschah.20140713-4 Seward-00241

Am Nachmittag stand dann noch der Besuch des Kennels der Familie Seavey auf dem Programm. Im Gegensatz zu den Schlittenhunden in Denali waren diese hier reine Rennhunde. Wir lernten einiges über die Zucht, die Ausrüstung des Mushers (Fahrers), der seinen Schlitten in der Regel selbst baut (für den Rahmen werden Hockeyschläger verwendet) und das Iditarot, Alaska’s berühmtestes Hundeschlittenrennen (1049 Meilen in 8-14 Tagen), an dem bereits 3 Generationen der Familie teilgenommen hatten. Es sind wirklich tolle Hunde!12

Abends folgte ein unvergesslicher Abend in der Yukon Bar mit Hobo Jim.

Am nächsten Tag folgte ein 6-stündiger Cruise in die Ressurection Bay zum Aialik Gletscher bei traumhaftem Wetter. Orcas, Humpbacks, Seelöwen, Seeotter und Puffins waren unsere Wegbegleiter, eingerahmt in traumhafter Natur.10 9

In der Mittagspause hielten wir kurz vorm Gletscher und der Motor wurde ausgemacht, so dass wir das Knacken und Knarren des Gletschers hören konnten und auch einige Stücke abbrachen sahen. Beeindruckend!11

Zurück in Seward hat eine weitere Trekgruppe ihre Zelte auf unserem Zeltplatz aufgeschlagen. Ihr Guide: Graeme, besser bekannt als Grommy, mein Trekleader aus dem letzten Sommer. Sie ist klein, die Trekkerwelt.

Einen Tag später ging es dann zu Fuß am Exitgletscher entlang, hoch zum Harding Icefield, einer riesigen Eisfläche, die sich dann in diverse Gletscher teilt. Die Wanderung war anstrengend, aber der Blick auf’s Eis hat für alles entschädigt.8 7

Von Seward ging es weiter in den Westen der Halbinsel nach Homer. Genauer gesagt nach Homer Spit, einer kleinen Landzunge, die sich von Homer aus ins Meer erstreckt und auf der sich der Hafen befindet. Wir haben unsere Zelte direkt am Strand aufgeschlagen. Bei weitem der schönste Zeltplatz der Reise!2014-07-16 17.31.28-2

Da wir an diesem Tag sonst nichts zu tun hatte, beschlossen wir, in der Alaska Bay schwimmen zu gehen, eine recht frische Erfahrung. Zu Essen gab es Lachs, der frisch von den Fischern gekauft wurde und abgerundet wurde der Tag im Salty Dawg Saloon, einer urigen Kneipe in Form eines Minileuchtturms.

Am nächsten Tag ging es wieder raus aufs Wasser. Diesmal wurden wir allerdings nicht durch die Gegend geschippert, sondern mussten uns durch unsere eigene Muskelkraft in Seekajaks fortbewegen. Wir haben einmal die Yukoninsel umrundet. Dabei sind wir ganz nah an eine Seeottermutter samt Jungen herangekommen. Außerdem haben wir noch Weißkopfseeadlerjunge im Nest gesehen.6 5

Bevor wir Homer wieder verlassen haben, wartete noch das absolute Highlight der Reise auf uns. Der Bearflight in den Katmai National Park. Wir haben der kleinen Cessna die dicken Schluppen für die Strandlandung angezogen und los ging es. Nach einer Stunde Flugzeit waren wir an der Ostküste des Parks und drehten noch eine Ehrenrunde über den Gletscher. Bei der Funkunterhaltung der beiden Piloten (wir waren mit zwei Flugzeugen unterwegs) wurde mir kurzzeitig etwas mulmig: „Oh, ganz schön viel Holz heute am Strand!“ „Das große Loch auf 10 Uhr hast du gesehen, oder?“ Traumhaft, landen wir also mal irgendwo zwischen dem ganzen Holz und den Löchern am Strand… aber unser Pilot Jim hat uns völlig entspannt und heil runtergebracht. Hinterm Strand erstreckte sich eine riesige Ebene aus Grasland und Flussufern und bereits nach kurzer Zeit liefen uns die ersten Bären über den Weg, eine Mutter mit zwei kleinen Jungen. Aufgrund der guten Futtervorkommen findet man dort viele Bären auf engem Raum, obwohl sie sonst eigentlich riesige Jagdreviere haben. Da das Gebiet gut einsichtig ist und die Bären den Menschen nicht als Feind ansehen, weil sie dort nie gejagt wurden, kann man sich den Bären dort sogar auch viel weiter nähern als sonst. Das ganze geht sogar so weit, dass die Bärenmütter ihre Jungen manchmal bei den Besuchergruppen zum „babysitten“ sitzen lassen, während sie selbst im Fluss fischen gehen. Wir hatten doppelt Glück und haben nicht nur viele Bären gesehen, sondern waren auch an einem der ersten Tage der Lachswanderung da und konnten darum die Bären beim Lachsfischen beobachten. Ein unvergleichliches Erlebnis!4 3 2 1

Insgesamt haben wir an diesem Tag acht Bären aus der Nähe gesehen, davon drei Bärenjunge. Drei Bären haben vor unserer Nase Lachse gefangen und ein Bärenjunges haben wir babygesittet.

Falls ihr mal nach Alaska kommt, sollte der Flug zu den Katmaibären auf jeden Fall auf die Todo-Liste. Die Bären gibt’s übrigens auch im Fernsehen, denn die BBC hat eine Dokumentation über sie gedreht.

Die letzte Nacht verbrachten wir in Hope, denn dort stand am nächsten Morgen das angeblich beste White Water Rafting, das Alaska zu bieten hat, auf dem Programm. Darauf habe ich allerdings verzichtet und habe mich stattdessen im Hot Tub entspannt.

Am Nachmittag kam die Reise dann in Anchorage zu ihrem offiziellen Ende. Wir haben uns allerdings alle noch einmal zum Dinner getroffen und den letzten Abend in der Bar ausklingen lassen. An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an Simone, Penny und Chris, dass sie mit mir immer so brav bis zum Ende durchgehalten haben!

Simone hat mir dann am nächsten Tag bei meiner endgültigen Ausreise aus den USA noch die Hand gehalten, da sie im selben Flieger mit mir nach Vancouver flog. War schon ein sehr komisches Gefühl zu wissen, dass man die USA nach 3 Jahren das erste Mal ohne Rückflugticket verlässt. New York und die USA sind in dieser Zeit tatsächlich zu meiner zweiten Heimat geworden und bei aller (berechtigter) Kritik einfach ein wahnsinnig tolles Land!

Ich habe mir noch einen Transitday in Vancouver gegönnt, um die letzten Wochen ein wenig zu verarbeiten, bevor es endgültig in die alte neue Heimat zurück ging.

 Goodbye Alaska, goodbye USA!

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